
In diesem persönlichen Erfahrungsbericht erzählt unsere Absolventin und Kräuterpädagogin Marion, warum sie sich nach ihrer Grundausbildung für die Kräuterpädagogik Ausbildung 2 entschieden hat – und weshalb die fachliche Vertiefung zugleich zu einer unerwarteten Reise zu sich selbst wurde.
"Es gibt Ausbildungen, die erweitern unser Wissen. Und es gibt jene, die leise etwas in uns verändern.
Als ich mich für Kräuterpädagogik 2 angemeldet habe, dachte ich, ich würde einfach noch tiefer in die Welt der Heil- und Wildpflanzen eintauchen. Nach der ersten Ausbildung in der Heil- & Wildkräuterakademie e.V. fühlte ich mich sicher. Ich konnte Pflanzen bestimmen, ihre Inhaltsstoffe und Wirkungen erklären und hatte bereits begonnen, mein Wissen in Workshops und meinem persönlichen Umfeld weiterzugeben.
Ich glaubte zu wissen, worauf ich mich einließ. Doch es kam anders …
Diese Weiterbildung wurde für mich nicht nur zu einer Reise durch die Pflanzenwelt. Sie wurde auch zu einer Reise zu mir selbst.
Die Ausbildung Kräuterpädagogik 1 hatte mir ein solides Fundament geschenkt. Sie öffnete mir die Augen für die unglaubliche Vielfalt unserer heimischen Pflanzenwelt und ließ mich erkennen, wie viel Heilsames und Essbares direkt vor unserer Haustür wächst. Doch mit jeder Pflanze, die ich kennenlernte, entstanden neue Fragen. Ich wusste, wie sie heißt, kannte ihre Inhaltsstoffe und wusste, wann sie gesammelt wird.
Und trotzdem hatte ich immer öfter das Gefühl, sie noch gar nicht wirklich zu verstehen.
Mich interessierte plötzlich weniger, welche Pflanze bei welchen Beschwerden eingesetzt werden kann. Viel spannender für mich wurde ein ganzheitliches Verständnis für die Natur und die Pflanzen, für Zusammenhänge und Verbindungen.
Und die Frage, ob Pflanzen vielleicht mehr über das Leben erzählen können, als sich beim ersten Hinschauen offenbart. Mit diesen Fragen begann meine zweite Ausbildung.
Die zweite Ausbildung führte uns durch viele Themen, die weit über das hinausgingen, was ich erwartet hatte. Wir beschäftigten uns mit der Gemmotherapie, tauchten tief in die Welt der Doldenblütler ein, widmeten uns Heilpflanzen für Männer und Frauen und begegneten den Giftpflanzen mit ihren faszinierenden Mythen und ihrer kulturgeschichtlichen Bedeutung.
Eines der Themen, das mich besonders berührt hat, waren die fünf Wandlungsphasen der Traditionellen Chinesischen Medizin. Anfangs sah ich darin ein interessantes Modell, um Pflanzen, Jahreszeiten und Naturkreisläufe besser zu verstehen. Doch nach und nach wurde mir klar, dass es dabei um viel mehr ging. Ich begann zu erkennen, dass die Natur nichts Festes kennt.
Alles ist im Fluss. Auf Wachstum folgt Blüte. Auf Fülle folgt Rückzug. Nach Abschied entsteht Neues.
Während wir über Holz, Feuer, Erde, Metall und Wasser sprachen, musste ich immer wieder an mein eigenes Leben denken. An Phasen, gegen die ich mich lange gewehrt hatte. An Zeiten des Stillstands, die ich als Rückschritt empfand. Und an Momente, in denen ich unbedingt festhalten wollte, obwohl längst die Zeit des Loslassens gekommen war.
Die Natur bewertet keine ihrer Jahreszeiten. Nur wir Menschen tun das. Diese Erkenntnis hat mich tief bewegt.
Was mich ebenfalls besonders beeindruckt hat, waren die Giftpflanzen. Vor der Ausbildung waren sie für mich vor allem gefährlich. Pflanzen, vor denen man Respekt haben sollte. Doch je tiefer wir eintauchten, desto faszinierender wurden sie.
Ihre Mythologie. Ihre Symbolik. Die Geschichten, die Menschen seit Jahrhunderten mit ihnen verbinden. Viele von ihnen stehen für Übergänge. Für Leben und Tod. Für Heilung und Gefahr. Für Licht und Schatten. Sie machten mir bewusst, dass die Natur keine einfachen Kategorien kennt.
Es gibt selten nur gut oder schlecht.
Oft entscheidet der richtige Umgang, die richtige Zeit, die richtige Dosis.
Diese Erkenntnis ließ sich kaum auf Pflanzen beschränken. Sie erzählte auch etwas über das Menschsein, über unsere Stärken, unsere Verletzlichkeit und darüber, dass Gegensätze oft zusammengehören.
Ein weiterer Teil der Ausbildung waren Naturrituale. Früher hätte ich bei diesem Begriff wahrscheinlich die Stirn gerunzelt. Heute denke ich an Stille, an Langsamkeit, an das Gefühl, wieder Teil von etwas Größerem zu sein. Es ging nie darum, etwas Mystisches zu erleben. Es ging darum, wirklich präsent zu sein und still zu werden. Die Natur nicht nur zu durchqueren, sondern ihr zu begegnen.
Ich erinnere mich an Momente, in denen wir schweigend draußen saßen. Ohne Auftrag. Ohne Ziel. Einfach nur beobachtend. Anfangs war das ungewohnt. Doch dann veränderte sich etwas. Es wurde ruhig – ein Gefühl des Ankommens.
Und irgendwann entstand daraus etwas, das ich kaum beschreiben kann. Die Natur begann, Antworten zu geben, ohne zu sprechen.
Rückblickend war Introspektion der eigentliche Kern dieser Weiterbildung. Die Pflanzen wurden vielmehr zu Wegbegleitern, die mich wiederholt zu mir selbst führten. Immer wieder wurden wir eingeladen, den Blick nach innen zu richten. Ehrlich hinzuschauen. Nicht nur die Natur zu beobachten, sondern auch das, was in uns selbst lebendig ist.
Wie begegne ich Veränderungen?
Welche Muster begleiten mich schon lange?
Welche Beziehungen nähren mich – und welche kosten Kraft?
Wo handle ich aus meinem Herzen heraus und wo spricht vielleicht nur mein Ego?
Was bedeutet es eigentlich, in meiner eigenen Mitte zu sein?
Es waren keine Fragen, die sich an einem Nachmittag beantworten ließen. Manche begleiten mich bis heute. Ich habe gelernt, meinem Bauchgefühl wieder mehr Raum zu geben. Nicht jede Entscheidung muss ausschließlich mit dem Kopf getroffen werden. Die Natur funktioniert nicht nur nach Logik – und wir Menschen tun es auch nicht.
Diese Weiterbildung hat mich eingeladen, mir selbst mit mehr Ehrlichkeit zu begegnen. Mit all meinen Stärken, meinen Unsicherheiten und den Seiten, die ich vielleicht lange nicht sehen wollte. Ich glaube, genau darin lag ihre größte Tiefe, aber auch die größte Herausforderung. Denn am Ende ging es nicht mehr nur darum, Pflanzen besser zu verstehen. Es ging auch darum, mich selbst besser kennenzulernen.
Was diese Zeit für mich so besonders gemacht hat, waren die Menschen und Wegbegleiter in unserem Kreis. Jeder brachte Wissen, Erfahrungen und seine ganz eigene Geschichte mit. Niemand musste sich beweisen oder perfekt sein. Gerade deshalb entstanden Gespräche, die ich bis heute in mir trage. Wir sprachen über Pflanzen, über das Leben, über Zweifel, Veränderungen, Beziehungen und über das, was uns im Innersten bewegt.
Ich habe selten erlebt, dass gemeinsames Lernen Menschen so schnell miteinander verbindet.
Tom und Kosan begleiteten uns bereits durch die erste Ausbildung. Deshalb wusste ich, wie viel Herzblut, Wissen und Erfahrung sie in ihre Arbeit legen. Und doch hatte ich das Gefühl, sie in Kräuterpädagogik II noch einmal neu kennenzulernen. Mit großer Achtsamkeit, einer wohltuenden Ruhe und viel Sensibilität hielten sie den Raum für alles, was sich zeigen wollte – fachlich ebenso wie menschlich. Sie gaben Impulse, ohne Antworten vorwegzunehmen, stellten Fragen, die nachwirkten, und schenkten uns das Vertrauen, unseren eigenen Wahrnehmungen zu folgen. Diese Art der Begleitung war für mich etwas ganz Besonderes. Sie machte die Weiterbildung zu einem Ort, an dem nicht nur Wissen wachsen durfte, sondern auch wir.
Seit dieser Weiterbildung gehe ich anders durch die Natur und, wenn es mir gelingt, auch anders durch mein Leben.
Langsamer – aufmerksamer – demütiger.
Ich glaube nicht mehr, dass jede Pflanze vollständig erklärt werden kann. Und ich glaube auch nicht mehr, dass wir Menschen alles verstehen müssen. Manches darf einfach beobachtet werden. Manches braucht Zeit. Und manches erschließt sich erst viel später. Auch meine Art, Wissen weiterzugeben, hat sich verändert. Heute geht es mir nicht mehr darum, möglichst viele Fakten zu vermitteln. Ich wünsche mir, dass Menschen wieder lernen, selbst wahrzunehmen, neugierig zu bleiben und zu staunen.
Denn genau dort beginnt für mich eine echte Verbindung zur Natur und zu uns selbst.
Wenn ich heute an Kräuterpädagogik 2 denke, fallen mir nicht zuerst Skripte oder Unterrichtseinheiten ein. Ich erinnere mich an Gespräche, die weit über Pflanzen hinausgingen. An gemeinsames Schweigen, an die fünf Wandlungsphasen, die mir gezeigt haben, dass Veränderung nichts ist, wogegen wir kämpfen müssen, sondern etwas, das zum Leben dazugehört. Ich denke an Giftpflanzen, die mich gelehrt haben, genauer hinzusehen und nicht vorschnell zu urteilen. An Naturrituale, die mir gezeigt haben, wie gut es tut, einfach nur Teil der Natur zu sein. Und ich denke an die vielen stillen Momente, in denen ich mir selbst begegnet bin.
Für mich war Kräuterpädagogik 2 deshalb weit mehr als eine Weiterbildung. Sie hat meinen Blick auf Pflanzen verändert. Vor allem aber hat sie meinen Blick auf mich selbst verändert.
Heute weiß ich, dass jede Pflanze mehr ist als ihre Inhaltsstoffe oder ihre Heilwirkung. Sie erzählt eine Geschichte. Eine Geschichte von Wandel, Verbundenheit und Vergänglichkeit. Und manchmal – wenn wir bereit sind, wirklich hinzuhören – erzählt sie uns auch etwas über unser eigenes Leben.
Vielleicht liegt genau darin die größte Kraft der Kräuterpädagogik. Nicht darin, immer mehr über Pflanzen zu wissen.
Sondern darin, durch sie wieder ein Stück näher zu sich selbst zu finden."
Für wen ist der Vertiefungslehrgang Kräuterpädagogik 2 gedacht?
Die Vertiefung richtet sich an Absolventen unserer Grundausbildung "Kräuterpädagogik 1". Wenn du deine Präsenzausbildung wo anders absolviert hast, bist du ebenfalls willkommen. Wir empfehlen dir jedoch vorab an einer Präsenzausbildung bei uns teilzunehmen, damit wir uns kennenlernen können. Bei Interesse kannst du dich über unser Kontaktformular HIER auf die Warteliste für den nächsten Vertiefungslehrgang unverbindlich eintragen lassen. Start der nächsten Kräuterpädagogik 2 wird im März 2028 sein.